Am 20. Oktober 1876 wurde der Katholische Burtscheider Bürgerverein in der Gaststätte „Panes“, Hauptstraße 4, gegründet. Gründungsmitglieder waren die Burtscheider Persönlichkeiten Kaplan Werner Baehren, Pfarre St. Johann und die Burtscheider Ratsherren Bernhard Klausener und Joseph Hansen. Die Wirksamkeit des Vereins bezog sich auf politische, kirchliche und soziale Tätigkeiten im Stadtbereich Burtscheid. Die Mitgliedschaft stand jedem katholischen und unbescholtenen Bürger offen, der mindestens 25 Jahre alt war und folgenden Berufsgruppen angehörte. Mittlere Beamtenschaft, selbstständiger Handwerksmeister, Angehöriger eines freien Berufes oder des gewerblichen Mittelstandes.
In seinem Ursprung war der Verein eine „Bürgerinitiative“ katholischer Bürger gegen die Kulturkampfgesetze Bismarcks. Die Zukunftsträume, die die katholischen Deutschen an das Kaisertum geknüpft hatten, wurden mit einem Schlag vernichtet, die Rechte der katholischen Kirche stark beschnitten. Diesem Einfluss staatlicher Obrigkeit galt es entgegenzuwirken bzw. Einhalt zu bieten.
Die Not und in diesem Zusammenhang die Besserstellung der arbeitenden und teilweise arbeitslosen Burtscheider Bevölkerung stand stets im Vordergrund der Vereinsinteressen. Eine Arbeitsnachweisstelle, ein Vorläufer des Arbeitsamtes, wurde bereit 1893 eingerichtet. Bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle bot der Bürgerverein auf diese Weise eine Erfolg versprechende Hilfestellung. Selbst bei Fragen der Alters-, Invaliden- und Unfallversicherung konnte Hilfe des Bürgervereins in Anspruch genommen werden, da hierfür ein Sozialexperte zur Verfügung stand.
Die ins Leben gerufene Volksküche zur Beköstigung bedürftiger Burtscheider war seinerzeit ebenfalls Anlaufstelle der finanzschwachen Arbeiterschaft.
Durch das vielseitige caritative Hilfsangebot entwickelte sich bald ein Vertrauensverhältnis zwischen der Bevölkerung und „De Heere va Botsched“, so dass sich der Verein schon nach wenigen Jahren Vereinstätigkeit als feste und anerkannte Größe in Burtscheid etablieren konnte.
Das erste motorgetriebene Automobil für Krankentransporte fährt bereits 1910 in Burtscheid. Auf Initiative des Bürgervereins hat der Aachener Stadtrat die Anschaffung genehmigt. Zwischen 1926 und 1927 wird ein hartnäckiger Papierkrieg mit der Oberpostdirektion Aachen geführt und als Erfolg der Bemühungen wird das neue Postamt an der Dammstraße eingerichtet.
Nach dem 2. Weltkrieg kam das Vereinsleben erst nach und nach und sehr langsam wieder in Gang. Ein wesentlicher Schwerpunkt das anfänglichen Vereinsengagements war der intensive Einsatz der Verantwortlichen für den Wiederaufbau des teilweise zerstörten Burtscheids.
Hatte der Verein ursprünglich und satzungsgemäß das soziale Engagement in den Vordergrund gestellt, erfolgte ab 1960 die Umorientierung mit Zielrichtung auf kultureller, geselliger und unterhaltender Basis. Im Rahmen der Vereinsmöglichkeiten führt er zur Förderung des gesellschaftlichen Lebens für Burtscheider Bürger Veranstaltungen, Vorträge, Fahrten und Besichtigungen durch.
Bis 1969 war der Bürgerverein eine reine Männerdomäne, denn bis zu diesem Zeitpunkt war Frauen die Mitgliedschaft verwehrt. Das Ende der Herrengesellschaft war besiegelt. Gleichzeitig mit dieser entscheidenden Änderung wurde auf Beschluss der Mitgliederversammlung das Wort „katholisch“ aus dem Vereinsnamen gestrichen.
Im Jahr 2014 wurde durch Beschluss der Mitgliederversammlung die Beantragung zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit sowie die Eintragung in das Vereinsregister beschlossen.
Die satzungsgemäßen Zwecke des Vereins sind nunmehr die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde sowie die Förderung des traditionellen Brauchtums einschließlich Karneval.
Die Gemeinnützigkeit wurde mit Bescheid vom 09.07.2014 durch das Finanzamt Aachen-Stadt festgestellt.
Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte am 06.08.2014 unter dem Aktenzeichen VR 5354 beim Amtsgericht Aachen
Die Stiftung einer Ehrengabe erfolgte im Jahre 1978 durch den Ersten Vorsitzenden Emil Claessen. Ein Bronze-Relief mit Abtei, Abteitor und Vereinswappen soll als Auszeichnung an solche Bürger verliehen werden, die sich um Burtscheid und um seine Menschen verdient gemacht haben. Mit dieser Ehrengabe des Burtscheider Bürgervereins wurden bisher folgende Personen, Institutionen und Vereine ausgezeichnet:
1979 Hans Königs, Baurat a.D.
1980 Jean Vandenplaas, Bürgermeister von Bastogne City1981 Änne Hafeneth, Vorsitzende des Caritaskreises St. Johann-Baptist
1983 Marienhospital Burtscheid
1984 Willi Hünerbein, Vorsitzender der AWO Ortsverein Burtscheid
1986 Josef W. Krückel, Schwertbad Burtscheid
1988 Brigitte Becker, Alt-Aachener Bühne
1990 Hans Hahn, Publizist und Zeitungsredakteur
1992 Willi Dormanns, Karnevalist und Vorsitzender der KG Oecher Spritzemänner
1994 Helmut Doerenkamp, Vorsitzender der Gesellschaft Burtscheider Geschichte
und Gegenwart
1997 Wilhelm Zimmermann, ehem. Pfarrer an St. Johann-B. und Kurseelsorger in
Burtscheid
2003 Dr. Klaus Bischops
2006 Martin Ratajczak, Aachener Pressefotograf
2009 Die Sängergruppe die „Jonge vajjen Beverau“
2012 KG Burtscheider Lachtauben 1952
2015 Burtscheider Interessen-Gemeinschaft (BIG)
Zur Erinnerung an den langjährigen Vorsitzenden des Burtscheider Bürgervereins wurde im Jahr 2009 die Bruno-Käfer-Gedächtnismedaille geschaffen. Sie soll an Vereinsmitglieder verliehen werden, die sich durch aktive Tätigkeit und Mitarbeit, vorbildliches Verhalten, soziales Engagement oder in besonderer Art und Weise verdient gemacht und somit zum Wohle des Bürgervereins beigetragen haben. Die feierliche Verleihung der Medaille erfolgt im Rahmen des traditionellen Eisbeinessens
Vereinsmitglieder haben die Möglichkeit, beim Vorstand Kandidaten vorzuschlagen. Die Auswahl des Preisträgers liegt beim Vorstand.
Träger der Bruno-Käfer-Gedächtnismedaille sind:
2010 Heinrich Jennes
2011 Ilse Lorenz und Christel Rühle
2012 Josef „Sepp“ Hugot und Peter Pelzer
2013 Heinz Bickel, Helma Bülhoff und Matthias Werner
2014 Karl Kleiber
2015 Hermann Schorn, Willi Leonard, Axel Wichterich
2016 Reinhold Begaß, Karl Hermanns
2017 Ralf Bremen, Edith Mannheims
Der Vorstand mit dem Vorsitzenden besteht aus zehn Personen und wird für die Dauer von drei Jahren von der Mitgliederversammlung gewählt. Seit der Gründung im Jahre 1876 hatten folgende Persönlichkeiten die Position des Vorsitzenden inne:
1876 – 1881 Bernhard Klausener 1881 – 1887 Friedrich Stein
1887 – 1821 Dr. Alphons Klausener 1921 – 1930 Dr. Hans Rühland
1930 – 1950 Franz Birken 1950 – 1971 Dr. Josef Bültmann
1971 – 1988 Emil Claessen 1988 – 2008 Bruno Käfer (+ 12.03.2008)
2008 – 2014 Hermann Schorn 2014 – Frank Rehberg